Arbeitsgruppe 6.9 - Prognosemethoden für mikrobiologisches Wachstum


Hygrothermische Prognosemethoden nach WTA

Obgleich in den letzten Jahrzehnten die Ausführung unserer Häuser erheblich an Wert zugenommen hat, vor allem durch Maßnahmen, die eine Redu­zie­rung der Transmissions- und Lüftungswärmeverluste zum Ziel hatten, häufen sich Berichte über Bauschäden durch Mikroorganismen, insbesondere durch Schimmelpilze. So beziffert der dritte Bauschadensbericht der Bundes­regie­rung aus dem Jahr 1996 die durch Schimmelpilzschäden hervorge­rufenen Kosten auf etwas mehr als 200 Millionen Euro jährlich. Verschiedene Ursachen wie beispielsweise die kritische Kombination aus luftdichter Bauweise und ungenügendem Lüftungsverhalten werden meist als Gründe für das neuerliche Ansteigen der Schimmelpilzhäufigkeit in Wohnungen genannt. Während man vor der Energiekrise in den 70er Jahren die Temperaturrege­lung durch Fensteröffnen bewerkstelligte, wird heute aus Gründen der Energieeinsparung deutlich weniger gelüftet. Auch der vormals ungewollt auftretende Infiltrationsluftwechsel wurde wesentlich reduziert. Die Folge sind erhöhte Feuchtelasten in Wohnräumen. Dabei treten nicht nur auf Innen­ober­flächen von Außenbauteilen, sondern auch im Inneren von Kon­struktionen Schimmelpilze auf.

Zur Vermeidung von Schimmelpilzbildung in Gebäuden muss eine bau­physikalische Verhinderungsstrategie im Vordergrund stehen, die von den Wachstumsvoraussetzungen von Schimmelpilzen ausgeht und die komplexen bauphysikalischen instationären Vorgänge berücksichtigt. Voraussetzung für eine biozidfreie Ver­hinderung von Schimmelpilzen ist die genaue Kenntnis der Rand­bedingungen, unter denen mit Pilzwachstum gerechnet werden muss. Daher war es Ziel des neuen Merkblattes, Methoden zusammen zu stellen und an praktischen Beispielen exemp­larisch anzuwenden, die zunächst eine Vorhersage von Schimmelpilzbildung auf Basis eines Vergleichs der Wachstums­voraus­setzungen mit den im Bau auftretenden hygrothermischen Wachstums­bedingungen ermöglichen. Die wichtigsten Parameter sind meist Temperatur, relative Feuchte sowie ein entsprechendes Substrat. In bezug auf Feuchte und Temperatur können diese Wachstumsbedingungen durch Messungen oder. mithilfe hygrothermischer Simulation gemäß WTA-Merkblatt 6-2-01/D ermittelt werden.

Darüber hinaus sollen in Zukunft Wachstumsvoraussetzungen weiterer biologischer Schädlinge (Käfer, etc.) bzw. Mikroorganismen höherer Kultur (z.B. Algen) zusammengetragen werden, um mithilfe von klimatischen Rand­bedingungen an den Bauteiloberflächen sowie im Inneren der Konstruktionen deren Wachstum abzuschätzen.